Begriffsklärungen

Berufsbezeichnungen



Psychiater
: Er ist Arzt, hat also ein Medizinstudium und eine mehrjährige Facharztausbildung. Er beschäftigt sich mit Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Geistes und der Seele. Er kann auch körperliche Ursachen abklären und Medikamente verschreiben. Psychiater bieten auch Psychotherapie an, beschränken sich aus Zeitmangel und Arbeitsüberlastung aber meist auf die medikamentöse Behandlung.

Diplom-Psychologe: Er hat ein Psychologiestudium mit staatlichem Diplom abgeschlossen. Psychologen arbeiten meist in sozialen Einrichtungen und beschäftigen sich mit Prävention seelischer Störungen, klinisch-psychologischer Diagnostik und psychologischer Beratung. Sie haben nicht unbedingt auch eine psychotherapeutische Ausbildung.

Psychotherapeut: Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist in Deutschland geschützt und darf nur von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geführt werden. Nicht geschützt ist jedoch der Begriff „Psychotherapie“.

Psychologischer Psychotherapeut: Er ist Diplompsychologe mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung in Psychotherapie, die durch das Psychotherapeutengesetz geregelt ist. Er hat eine Approbation und kann über die Krankenkassen abrechnen. Derzeit werden von den Krankenkassen nur drei Therapiemethoden anerkannt und bezahlt: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Im Dezember 2008 wurde vom „Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie“ auch die Systemische Therapie als vierte Therapiemethode für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten anerkannt. Allerdings gibt es dafür bisher noch keine Kassenzulassung.

Kinder- und Jugendpsychotherapeut: Er behandelt Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Im Übrigen gilt dasselbe wie für Psychologische Psychotherapeuten.

Psychotherapie (HPG) oder Heilpraktiker Psychotherapie:
Heilpraktiker sind neben Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten die einzige Berufsgruppe, die Heilkunde ausüben darf. Voraussetzung für die Zulassung ist eine staatlich anerkannte Prüfung und die Überprüfung und Genehmigung durch das Gesundheitsamt. Neben der Vollzulassung gibt es auch die Teilzulassung zum Heilpraktiker auf dem Gebiet der Psychotherapie. Diplom-Psychologen erhalten diese Teilzulassung für Psychotherapie ohne besondere Prüfung. So können sie Psychotherapie (HPG=nach dem Heilpraktikergesetz) ausüben, auch wenn sie keine Psychologischen Psychotherapeuten sind, d.h. wenn ihre Therapieausbildung nicht für eine Approbation anerkannt ist.

Psychologischer Berater:
Diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, und deshalb kann sich prinzipiell jeder so nennen, der psychologische Beratung anbietet. Viele private Lehrinstitute bieten qualifizierte Ausbildungen an, aber sowohl die Zugangsvoraussetzungen als auch die Prüfungsbestimmungen sind nicht einheitlich geregelt. Man sollte sich also genau informieren, welchen Ausbildungshintergrund ein Berater hat, bevor man ihn zu Rate zieht.


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Hauptrichtungen der Psychotherapie

Psychoanalyse: Die Psychoanalyse geht zurück auf den Wiener Arzt Sigmund Freud. Sie bezeichnet sowohl ein Modell für die Entstehung psychischer Probleme und Erkrankungen als auch eine Methode ihrer Behandlung. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass psychische Störungen auf unbewältigte frühkindliche Konflikte zurückzuführen sind, die aus dem Bewusstsein verdrängt wurden. Ziel der Behandlung ist es, diese Konflikte allmählich dem Bewusstsein wieder zugänglich zu machen und dadurch zu lösen. Dies geschieht durch freie Assoziation des Klienten (alles erzählen, was ihm in den Sinn kommt) und Deutungen des Psychoanalytikers. Dieser Prozess kann sehr langwierig sein, da die Psyche der Bewusstwerdung starken Widerstand entgegenbringt. Deshalb kann eine Psychoanalyse bis zu mehreren Jahren (bei ein bis zwei Sitzungen pro Woche) dauern. Bei der klassischen Behandlungsform liegt der Klient auf der Couch, der Therapeut sitzt im Sessel hinter dem Klienten und ist für ihn nicht sichtbar.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Abwandlung der klassischen Psychoanalyse. Theoretisch basiert sie auf den gleichen Wurzeln; der Unterschied bei der Behandlung besteht darin, dass die aktuellen Probleme des Klienten mehr im Mittelpunkt stehen. Von da aus werden die Kindheitserlebnisse des Klienten aufgearbeitet. Bei der Behandlung sitzen sich Klient und Therapeut gegenüber. Die Sitzungen finden meist einmal wöchentlich statt. Die Dauer der Therapie richtet sich nach den Beschwerden und Bedürfnissen des Klienten.

Verhaltenstherapie:
Die theoretische Basis der Verhaltenstherapie ist die Lerntheorie. Diese geht von der Grundannahme aus, dass jedes menschliche Verhalten (sowohl angepasstes als auch unerwünschtes) irgendwann im Leben gelernt worden ist und somit auch wieder verlernt werden kann. Der Schwerpunkt der Verhaltenstherapie liegt deshalb auf der genauen Analyse des beobachtbaren problematischen Verhaltens, den Bedingungen, die es aufrecht erhalten und den Konsequenzen, die es nach sich zieht. Um Verhaltensänderungen zu erzielen, ist es nicht unbedingt notwendig, die Ursachen des Verhaltens zu ergründen. Vielmehr müssen die Bedingungen und die Konsequenzen verändert und neue Verhaltensweisen eingeübt werden. Die klassische Verhaltenstherapie zielt auf die Beseitigung von Einzelsymptomen (z.B. Zwänge oder Phobien) ab und hat dafür eine Reihe ganz spezieller Verfahren entwickelt Modernere Formen beziehen mittlerweile auch das innere Erleben des Klienten (Denken, Wahrnehmung, Gefühle usw.) in die Verhaltensanalyse mit ein.

Gesprächspsychotherapie: Die Gesprächstherapie oder auch Klientenzentrierte Psychotherapie geht von der Grundannahme aus, dass der Mensch eine angeborene Tendenz zur Selbstverwirklichung besitzt, die unter günstigen Umständen für Reifung und Weiterentwicklung sorgt. In der Therapie sollen diese günstigen Umstände geschaffen werden. Um dies zu gewährleisten, werden auf Seiten des Therapeuten drei unabdingbare Grundhaltungen vorausgesetzt: Bedingungslose positive Wertschätzung gegenüber dem Klienten, Einfühlungsvermögen und Echtheit. Das therapeutische Vorgehen besteht in erster Linie darin, dem Klienten seine Gefühle, Wünsche, Wertvorstellungen und Ziele mit anderen Worten widerzuspiegeln. Dadurch wird der Klient immer weiter in seine eigene Wahrnehmung geführt, wodurch der Reifungsprozess angeregt wird.

Systemische Therapie:

Die Systemische Therapie betrachtet eine zusammengehörige Gruppe von Menschen (sei es nun eine Familie, ein Arbeitsteam, eine Schulklasse u.ä.) als System, dessen Zusammenspiel und Funktionieren bestimmt wird von den Beziehungen der Mitglieder untereinander. Dieses System bildet den Hintergrund, auf dem jedes Mitglied seine Fähigkeiten und Stärken, aber auch Verhaltensstörungen und psychische Probleme entwickeln kann. Die Ursachen für gestörtes oder krankhaftes Verhalten eines Mitgliedes werden deshalb nicht in der Persönlichkeit und den Eigenarten des erkrankten Mitglieds gesucht, sondern in gestörten Beziehungen innerhalb des Systems. Psychische Erkrankungen und Symptombildungen werden vielmehr als „Lösungsversuch“ gesehen, um das System im Gleichgewicht zu halten bzw. wieder ins Gleichgewicht zu bringen, falls dieses durch irgendein Ereignis gestört worden ist. In der Therapie geht es darum, dieses krankhafte Gleichgewicht zu verstören, um ein neues, für alle Mitglieder zufriedenstellendes Gleichgewicht herzustellen.

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(C) 2008 - Alle Rechte vorbehalten Ingeborg Prändl Dipl. Psychologin

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